Klargesagt. Situation 3 von 10 · Alter Job

Aufgaben abgeben, obwohl du es schneller könntest

Die Bestellung, die Abrechnung, der Dienstplan: Du machst es selbst, weil es in zwanzig Minuten erledigt ist und weil du weisst, dass es dann stimmt. Und dein Team wartet, bis du es machst. Beschreib unten kurz, was du abgeben willst und woran es bisher scheitert.

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Worum geht es?

Grob reicht. Das Genaue kommt gleich.

Die Idee hinter dem Satz

Falls du erst lesen willst, bevor du etwas eintippst. Die Begründung für deinen eigenen Satz bekommst du oben, direkt unter dem Satz.

Warum es schneller geht, wenn du es selbst machst, und warum das das Problem ist

Du kannst es. Das ist der Grund, warum du befördert wurdest, und es ist der Grund, warum du jetzt hängen bleibst. Die Bestellung dauert bei dir zwanzig Minuten. Bei Sandra dauert sie eine Stunde, und du musst hinterher trotzdem draufschauen. Also machst du es selbst. Jede Woche. Seit einem Jahr.

Das alte Können gibt Sicherheit, und die neue Rolle gibt keine. Führen fühlt sich unklar an, Bestellen fühlt sich fertig an. Deshalb landest du abends wieder bei der Bestellung, und die Gespräche, die du eigentlich führen müsstest, bleiben liegen. Dein Team lernt dabei etwas Schlechtes: Warten lohnt sich, der Chef macht es sowieso.

Abgeben heisst kurzfristig langsamer sein. Sandras erste Bestellungen werden schlechter sein als deine, und du wirst Zeit hineinstecken, die du sonst nicht hättest. Das ist keine Nebenwirkung, das ist der Preis. Wer ihn nicht bewusst bezahlt, gibt nie etwas ab.

Der Aufbau: fünf Teile, in dieser Reihenfolge

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jeder Teil entschärft etwas, das ohne ihn im nächsten Satz explodiert.

  1. Der Name und die Ansage. „Sandra, ich will die Bestellung wieder an dich geben.“ Direkt, mit dem Ergebnis zuerst. Nicht „ich hab mir überlegt, vielleicht könntest du eventuell“. Sie soll im ersten Satz wissen, worum es geht.
  2. Dein Anteil. „Ich habe sie ein Jahr lang selbst gemacht, weil es mir sicherer war, und das war dir gegenüber nicht fair.“ Du gibst zu, dass es an dir lag, nicht an ihr. Das ist wichtig, weil sie ein Jahr lang das Gegenteil gehört hat, nämlich nichts. Schweigen liest sich als Misstrauen.
  3. Ein Vorfall, nicht „immer“. „Du hast mich am Montag zum zweiten Mal gefragt, und ich bin ausgewichen.“ Der konkrete Moment, in dem es sichtbar wurde. Nicht „du hast ja öfter gefragt“, sondern Montag, zum zweiten Mal, ausgewichen.
  4. Dein Massstab. „Ich will, dass du sie ab nächster Woche machst, und ich schaue die ersten zwei mit dir zusammen an.“ Was genau, ab wann, und was „gut“ heisst. Abgeben ohne Massstab ist kein Vertrauen, sondern Aussetzen. Die zwei gemeinsamen Durchgänge sind der Preis, den du bezahlst.
  5. Eine offene Frage. „Was brauchst du dafür von mir?“ Nicht „kriegst du das hin?“. Die Frage setzt voraus, dass sie es hinkriegt, und holt, was fehlt: Zugang, Zeit, eine Zahl.
Die drei Fehler, die fast alle machen

Abgeben und trotzdem alles nachkontrollieren

Du gibst die Bestellung ab und gehst sie jeden Abend Zeile für Zeile durch. Damit hast du nichts abgegeben, sondern nur den ersten Entwurf ausgelagert. Sie merkt das und hört auf, selbst zu denken. Vereinbare, was du wie lange anschaust, und halte dich daran.

Nur die Reste abgeben

Die Inventur, das Putzen, die Spätschicht am Samstag: Was keiner will, wird verteilt. Was Ansehen bringt, behältst du. Dein Team merkt sehr genau, was du abgibst. Gib etwas ab, das dir etwas bedeutet, sonst ist es kein Vertrauensbeweis.

Abgeben, ohne zu sagen, was „gut“ heisst

„Mach mal die Bestellung.“ Und dann bist du enttäuscht, weil zu viel bestellt wurde. Sie konnte nicht wissen, dass dir der Lagerbestand wichtiger ist als die Lieferfähigkeit, weil du es nie gesagt hast. Zwei Sätze zum Massstab ersparen drei Wochen Ärger.

Und wenn sie sich wehrt?

Fast jede Reaktion fällt in eine von drei Schubladen. Du musst nicht schlagfertig sein, du musst nur wissen, welche gerade offen ist.

Sie wehrt ab: „Dann mach's doch selbst, wenn du's eh nachkontrollierst.“

Da steckt ein berechtigter Vorwurf drin. Nimm ihn an und mach die Grenze klar: „Das hast du bisher zu Recht so erlebt. Deshalb sage ich dir jetzt genau, was ich anschaue: die ersten zwei, danach nur noch, wenn du mich fragst.“

Sie nickt ab: „Ja, kann ich machen.“

Zu schnell, zu leicht. Das heisst oft: Ich habe noch nicht verstanden, was dazugehört. Frag nach: „Gut. Damit wir nicht aneinander vorbeireden: Was ist für dich das Schwierigste an der Bestellung?“

Sie greift an: „Letztes Mal hast du mir alles wieder weggenommen.“

Wenn sie recht hat, gib es zu, ohne die Sache fallen zu lassen: „Stimmt, und das war falsch von mir. Ich habe nach einem Fehler alles zurückgeholt, statt dir zu sagen, was ich anders brauche. Diesmal sage ich es vorher. Und ich nehme es nicht wieder zurück.“

Häufige Fragen

Was, wenn es wirklich schiefgeht?

Dann kostet es dich einen Fehler. Eine zu grosse Bestellung, eine Woche Ware zu viel. Rechne das gegen das, was dich das Selbermachen kostet: jede Woche zwanzig Minuten, ein Jahr lang, plus eine Mitarbeiterin, die nichts lernt. Der Fehler ist billiger. Er ist nur sichtbarer.

Wie lange darf die Einarbeitung dauern?

Bei einer wöchentlichen Aufgabe: zwei bis drei Durchgänge gemeinsam, danach macht sie es allein, und du schaust nur noch, wenn sie fragt. Wenn du nach dem fünften Durchgang immer noch daneben sitzt, ist nicht sie das Problem.

Muss ich dann weniger arbeiten?

Nein, du arbeitest anders. Die zwanzig Minuten, die die Bestellung dir gekostet hat, gehen jetzt in Dinge, die nur du machen kannst: das Gespräch mit dem, der zu spät kommt, der Blick auf die Zahlen, die Planung für den nächsten Monat. Wenn nach dem Abgeben Leere entsteht, ist das ein Zeichen, dass du deine neue Aufgabe noch nicht gefunden hast, nicht, dass du zu wenig zu tun hast.

Wem gebe ich was?

Wer gefragt hat, bekommt es zuerst. Wer es früher schon gemacht hat, als Zweites. Und die Person, der du es am wenigsten zutraust, solltest du dir genau anschauen: Meist ist das kein Urteil über ihr Können, sondern über deinen Bauch. Gib ihr eine kleine Aufgabe und schau, was passiert.

Was mache ich mit der freien Zeit?

Die Frage klingt harmlos und ist die wichtigste hier. Wenn du nach dem Abgeben nicht weisst, was du tun sollst, hast du dich bisher hinter der Bestellung versteckt. Die freie Zeit ist für die Gespräche, die du seit Wochen vor dir herschiebst. Eine der anderen acht Situationen unten passt vermutlich.

Die anderen neun Situationen

Alter Job ist eine von zehn Stellen, an denen Erstführungskräfte regelmässig hängen bleiben.