Klargesagt. Situation 7 von 10 · Lob

Lob aussprechen, das nicht aufgesetzt klingt

Nadine hat am Dienstag die Beschwerde abgefangen, bevor du überhaupt da warst. Du hast „super“ gesagt und bist weitergegangen. Mehr hat sie seit Monaten nicht von dir gehört, obwohl du es jeden Tag siehst. Beschreib unten kurz, was sie gemacht hat und was du bisher dazu gesagt hast.

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Die Idee hinter dem Satz

Falls du erst lesen willst, bevor du etwas eintippst. Die Begründung für deinen eigenen Satz bekommst du oben, direkt unter dem Satz.

Warum Lob sich aufgesetzt anfühlt

Du siehst es. Du siehst, wie sie den Stammkunden runterholt, wie sie den Neuen erklärt, wo die Preisschilder liegen, wie sie am Samstag ohne Murren die Spätschicht nimmt. Und du sagst nichts, weil jedes Lob, das du im Kopf formulierst, klingt wie aus einem Seminar. „Ich möchte dir sagen, dass ich deine Arbeit sehr wertschätze.“ Das würdest du nie sagen. Also sagst du gar nichts.

Das Problem ist nicht das Lob, sondern die Form. Feierliches Lob klingt aufgesetzt, weil es aufgesetzt ist. Konkretes Lob klingt wie eine Beobachtung, und Beobachtungen kann man nicht falsch aussprechen. „Du hast den Stammkunden am Dienstag abgefangen, bevor ich da war“ ist kein Lob im Seminarsinn. Es ist eine Tatsache, und sie sagt alles.

Was Nadine seit Monaten hört, ist Schweigen. Schweigen liest sich nicht als „alles gut“. Es liest sich als „er sieht es nicht“, und irgendwann als „es ist ihm egal“. Die Guten gehen nicht, weil sie zu wenig Geld kriegen. Sie gehen, weil niemand gemerkt hat, dass sie gut sind.

Der Aufbau: fünf Teile, in dieser Reihenfolge

Bei Lob ist die Reihenfolge etwas anders als bei Kritik: Der Vorfall kommt vor deinem Anteil, und die Frage am Ende ist beiläufig. Aber sie ist da.

  1. Der Name und die Ansage. „Nadine, kurz was zu Dienstag.“ Kein „ich wollte dir mal sagen“, das ist die Einleitung, bei der jeder innerlich zurückweicht. Kurz, und mit dem Tag: Dienstag. Damit weiss sie sofort, es geht um etwas Konkretes.
  2. Der Vorfall, ganz genau. „Der Stammkunde mit der Reklamation, du hast das abgefangen, bevor ich überhaupt da war.“ Das ist das Lob. Nicht „du machst das toll“, sondern dieser Kunde, diese Reklamation, dieser Moment. Je genauer, desto weniger kann es aufgesetzt klingen, weil es eine Beobachtung ist und kein Urteil.
  3. Dein Anteil. „Ich habe nur super gesagt, und das war zu wenig.“ Du gibst zu, dass du es bisher nicht richtig gesagt hast. Das erklärt, warum du jetzt damit kommst, und es macht die Sache ehrlich statt feierlich.
  4. Was es bewirkt hat. „Für mich hat das den Tag gerettet, und ich will, dass du weisst, dass ich das gesehen habe.“ Die Wirkung, in Ich-Form. Nicht „das ist wichtig für die Firma“, sondern für dich, an diesem Tag. Das ist der Unterschied zwischen einem Lob und einer Beurteilung.
  5. Eine beiläufige Frage. „Wie hast du ihn eigentlich runtergeholt?“ Die Frage nimmt die Feierlichkeit raus und macht aus dem Lob ein Gespräch. Und du lernst nebenbei etwas, das du dem Neuen nächste Woche zeigen kannst.
Die drei Fehler, die fast alle machen

Das allgemeine Lob

„Gute Arbeit.“ „Weiter so.“ „Super.“ Das ist kein Lob, das ist ein Geräusch. Sie kann damit nichts anfangen, weil sie nicht weiss, was genau gut war, und ob du es überhaupt gesehen hast oder nur nett sein wolltest.

Das Lob mit dem Aber

„Das mit dem Kunden war super, aber die Kasse hat gestern nicht gestimmt.“ Was hängen bleibt, ist die Kasse. Wenn du beides sagen musst, sag es in zwei Gesprächen an zwei Tagen. Lob mit Aber ist Kritik mit Anlauf.

Das Lob vor Publikum, ungefragt

Vor dem ganzen Team Nadine hervorheben fühlt sich grosszügig an und ist für viele Menschen unangenehm, für sie selbst und für die anderen, die es als Rangliste lesen. Lob unter vier Augen, beiläufig, nach der Schicht. Vor allen nur, wenn du weisst, dass sie das mag.

Und wenn sie abwinkt?

Auch bei Lob fällt fast jede Reaktion in eine von drei Schubladen. Du musst nicht schlagfertig sein, du musst nur wissen, welche gerade offen ist.

Sie wehrt ab: „Ach, das war doch nichts.“

Nicht mit noch mehr Lob nachlegen, das macht es feierlich. Bei der Beobachtung bleiben: „Für dich vielleicht. Ich stand daneben, und ich hätte den Kunden nicht so schnell runtergekriegt. Das war was.“

Sie nickt ab: „Danke.“ Und will weg.

Das ist in Ordnung. Nicht festhalten, aber die Frage stellen, damit es kein Monolog war: „Gern. Eine Sache noch: Was hast du ihm gesagt, dass er so schnell ruhig war? Das will ich dem Neuen zeigen.“

Sie greift an: „Wenn das so wichtig ist, warum hört man das sonst nie?“

Weil sie recht hat. Zugeben, kurz, ohne das Lob zurückzunehmen: „Weil ich es bisher nicht gesagt habe, obwohl ich es gesehen habe. Das war mein Fehler, und ich ändere das. An Dienstag ändert das nichts.“

Häufige Fragen

Muss Lob vor dem Team stattfinden?

Nein. Unter vier Augen, beiläufig, nach der Schicht ist für die meisten Menschen die Form, die ankommt. Vor dem Team wird Lob zur Rangliste, und die, die nicht genannt werden, hören das lauter als die, die genannt wird. Vor allen nur, wenn du weisst, dass sie das mag, und dann kurz.

Wie oft soll ich loben?

Es gibt keine Quote. Es gibt Beobachtungen. Wenn du eine Woche lang nichts Konkretes gesehen hast, das du benennen könntest, liegt das nicht am Team, sondern daran, dass du nicht hingeschaut hast. Nimm dir vor, jede Woche bei einer Person eine Sache zu benennen. Das ist kein Programm, das ist Hinschauen mit Ansage.

Ich habe bisher nie gelobt. Wirkt das jetzt nicht komisch?

Beim ersten Mal wird sie kurz stutzen. Das ist der Preis dafür, dass du es bisher nicht gemacht hast, und er ist klein. Wenn das Lob konkret ist, ein Tag, ein Kunde, eine Sache, ist das Stutzen nach zehn Sekunden vorbei, weil es sich nicht wie eine neue Masche anfühlt, sondern wie eine Beobachtung. Komisch wird es nur, wenn du feierlich wirst.

Soll ich auch für Selbstverständliches loben?

Für Selbstverständliches gibt es kein Lob, aber Benennen. „Mir ist aufgefallen, dass du seit zwei Jahren keinen Tag zu spät warst.“ Das ist kein Lob, das ist der Beweis, dass du hinschaust. Und für jemanden, der seit zwei Jahren zuverlässig ist, ist das mehr wert als jedes Super.

Lob und Kritik im selben Gespräch?

Nein. Wenn beides ansteht, sind es zwei Gespräche an zwei Tagen. Im selben Gespräch hört sie nur die Kritik und lernt, dass Lob bei dir die Einleitung zu etwas Unangenehmem ist. Danach kannst du nie wieder beiläufig loben. Wie du die Kritik dann führst, steht in der Situation „Mitarbeiter ansprechen“.

Die anderen neun Situationen

Lob ist eine von zehn Stellen, an denen Erstführungskräfte regelmässig hängen bleiben.