Klargesagt. Situation 4 von 10 · Angst zu fragen

Nachfragen, ohne wie ein Anfänger zu klingen

Du hast genickt, als dein Chef nach dem Deckungsbeitrag gefragt hat. Du hast wieder genickt, als er es das zweite Mal erklärt hat. Jetzt sind sechs Wochen vergangen, und Fragen fühlt sich an wie ein Geständnis. Beschreib unten kurz, was du wissen musst und wen du fragen müsstest.

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Worum geht es?

Grob reicht. Das Genaue kommt gleich.

Die Idee hinter dem Satz

Falls du erst lesen willst, bevor du etwas eintippst. Die Begründung für deinen eigenen Satz bekommst du oben, direkt unter dem Satz.

Warum Nichtwissen sich wie ein Beweis anfühlt

Du wurdest befördert, weil du gut warst. Jetzt sitzt du in Besprechungen, in denen Begriffe fallen, die du nicht kennst, und jede Frage fühlt sich an, als würdest du beweisen, dass die Beförderung ein Irrtum war. Also nickst du. Beim ersten Mal ist das ein Reflex. Beim zweiten Mal ist es eine Entscheidung. Beim dritten Mal ist es ein Problem, weil du jetzt nicht mehr nur nicht weisst, sondern auch noch so getan hast.

Das Team merkt es früher, als du denkst. Wenn du die Zahlen nicht erklären kannst, erklärst du sie nicht, und dein Team schliesst daraus, dass die Zahlen nicht wichtig sind. Oder dass du sie geheim hältst. Beides ist schlechter als eine Frage an deinen Chef.

Der Ausweg ist keine Frage, die sich klein macht. Der Ausweg ist eine Frage, die deine Rolle ausfüllt: Du fragst, weil du etwas verantwortest, das du verstehen musst. Das ist keine Schwäche, das ist der Job.

Der Aufbau: fünf Teile, in dieser Reihenfolge

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jeder Teil entschärft etwas, das ohne ihn im nächsten Satz explodiert.

  1. Der Name und die Ansage. „Frank, ich brauche fünf Minuten von dir.“ Mit Zeitangabe. Das signalisiert, dass du weisst, was du willst, und dass es kein Jammerkreis wird. Nicht „hast du mal kurz“, sondern fünf Minuten.
  2. Dein Anteil. „Ich habe bei der Auswertung zweimal genickt, obwohl ich die Spalte Deckungsbeitrag nicht verstanden habe. Das war falsch.“ Das ist der Teil, der weh tut, und der Teil, der dich glaubwürdig macht. Du gibst zu, dass du so getan hast. Damit ist die Sache vom Tisch, bevor er sie dir vorhalten kann.
  3. Ein Vorfall, nicht „immer“. „Konkret geht es um die Juni-Auswertung, Seite zwei.“ Nicht „ich verstehe die Zahlen nicht“, das ist zu gross und klingt nach Überforderung. Sondern eine Spalte, ein Monat, eine Seite. Das ist eine Frage, die man in fünf Minuten beantworten kann.
  4. Dein Massstab. „Ich will meinem Team erklären können, wo wir stehen, und dafür muss ich das selbst können.“ Hier drehst du die Frage um: Du fragst nicht, weil du es nicht kannst, sondern weil du etwas damit vorhast. Das ist der Unterschied zwischen einem Anfänger und einer Führungskraft, die ihren Job macht.
  5. Eine offene Frage. „Kannst du mir das an der Juni-Auswertung einmal zeigen?“ Eine konkrete Bitte mit Material. Nicht „kannst du mir das mal erklären“, sondern zeigen, an dieser Auswertung, jetzt oder heute Nachmittag.
Die drei Fehler, die fast alle machen

Erst raten, dann fragen

Sechs Wochen lang aus dem Zusammenhang schliessen, was der Deckungsbeitrag wohl sein könnte. Irgendwann baust du eine Entscheidung auf einer falschen Vermutung, und dann musst du nicht nur fragen, sondern auch etwas zurücknehmen. Die frühe Frage ist die billigste.

Die Frage tarnen

„Nur zur Sicherheit, wir verstehen unter Deckungsbeitrag ja beide …“ Dein Chef merkt, dass du fischst, und er merkt, dass du dich nicht traust. Beides zusammen ist schlimmer als die Frage selbst.

Alles auf einmal fragen

Wer sechs Wochen gewartet hat, hat zwölf Fragen. Wer zwölf Fragen auf einmal stellt, wirkt überfordert. Nimm die eine, die gerade am meisten kostet. Die anderen kommen nächste Woche, einzeln, und jede wird leichter.

Und wenn er sich wehrt?

Fast jede Reaktion fällt in eine von drei Schubladen. Du musst nicht schlagfertig sein, du musst nur wissen, welche gerade offen ist.

Er wehrt ab: „Das hatten wir doch in der Einarbeitung.“

Nicht diskutieren, ob ihr es hattet. Beim eigenen Anteil bleiben und die Frage stehen lassen: „Kann sein, dann habe ich es damals nicht behalten, und das geht auf mich. Ich frage trotzdem, weil ich es jetzt brauche und nicht nochmal raten will.“

Er nickt ab: „Ja klar, frag einfach.“ Und dann kommt nichts.

Das ist eine Erlaubnis, keine Antwort. Nimm sie beim Wort, sofort: „Gut, dann jetzt: Was steckt in der Spalte Deckungsbeitrag drin, und was nicht? Ich habe die Juni-Auswertung dabei.“

Er greift an: „Und warum kommst du erst jetzt damit?“

Weil er recht hat. Zugeben, ohne die Frage fallen zu lassen: „Weil ich mich nicht getraut habe, ehrlich gesagt. Das war ein Fehler, und ich mache ihn nicht nochmal. Die Frage bleibt trotzdem: Kannst du es mir zeigen?“

Häufige Fragen

Wirke ich schwach, wenn ich frage?

Nein, wenn die Frage konkret ist und einen Grund hat. „Ich verstehe die Zahlen nicht“ klingt schwach. „Ich will die Juni-Auswertung meinem Team erklären, zeig mir bitte die Spalte Deckungsbeitrag“ klingt nach jemandem, der seinen Job macht. Schwach wirkt, wer sechs Wochen nickt und dann daneben liegt.

Was, wenn mein Chef ungeduldig ist?

Ungeduld richtet sich fast immer gegen vage Fragen. Wer mit „ich hab da so ein paar Sachen“ kommt, kostet Zeit. Wer mit dem Blatt in der Hand kommt und auf eine Spalte zeigt, kostet drei Minuten. Mach die Frage so klein und so konkret, dass sie in seine Ungeduld passt.

Darf ich einen Mitarbeiter fragen?

Bei Abläufen, Technik, Programmen: unbedingt, und offen. „Du machst das seit fünf Jahren, zeig mir, wie du das anlegst.“ Das ist kein Gesichtsverlust, das ist Respekt vor Erfahrung. Bei allem, was deine Verantwortung betrifft, Zahlen, Vorgaben, Personalfragen, gehört die Frage nach oben, weil nur dort die Antwort verbindlich ist.

Ich habe die Antwort schon mal bekommen und vergessen.

Dann sagst du genau das: „Du hast mir das im März erklärt, ich habe es nicht behalten. Ich frage nochmal und schreibe es diesmal auf.“ Das ist ehrlich, kurz und erledigt. Die Alternative, nochmal raten, kostet mehr.

Wie viele Fragen sind zu viele?

Nicht die Zahl ist das Problem, sondern die Vorbereitung. Eine Frage mit Material, die in fünf Minuten beantwortet ist, kannst du jede Woche stellen. Zwölf Fragen, die du im Kopf sortierst, während er schon redet, sind einmal zu viel.

Die anderen neun Situationen

Angst zu fragen ist eine von zehn Stellen, an denen Erstführungskräfte regelmässig hängen bleiben.