Klargesagt. Situation 9 von 10 · Erste Wochen

Die ersten Wochen als Chef: weder unsichtbar noch Kopf durch die Wand

Zwei Wochen Marktleiter. In der ersten Woche hast du die Warenannahme umgestellt, ohne jemanden zu fragen. Seitdem macht Herr Berger es demonstrativ wie vorher, und du hast nichts gesagt. Oder umgekehrt: Du schaust seit zwei Wochen zu und hast noch keine einzige Ansage gemacht. Beschreib unten kurz, wo du gerade stehst.

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Worum geht es?

Grob reicht. Das Genaue kommt gleich.

Die Idee hinter dem Satz

Falls du erst lesen willst, bevor du etwas eintippst. Die Begründung für deinen eigenen Satz bekommst du oben, direkt unter dem Satz.

Warum die ersten Wochen in zwei Richtungen schiefgehen

Es gibt zwei Arten, in den ersten Wochen zu scheitern, und sie sehen völlig verschieden aus. Die eine: Du hältst dich raus. Du willst erst mal alles kennenlernen, niemandem auf die Füsse treten, und nach vier Wochen hast du keine einzige Ansage gemacht. Das Team hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass es ohne dich läuft. Die andere: Du stellst in der ersten Woche die Warenannahme um, den Dienstplan, die Pausen. Du zeigst, dass jetzt ein neuer Wind weht. Und das Team, das seit acht Jahren weiss, warum die Warenannahme so läuft, wie sie läuft, macht es demonstrativ weiter wie vorher.

Beides hat denselben Grund: Du hast nicht benannt, was du siehst, bevor du gehandelt hast. Der Zurückhaltende sieht viel und sagt nichts. Der Umbauer sagt viel und hat nicht hingeschaut. Der Weg dazwischen ist nicht „ein bisschen von beidem“, sondern eine Reihenfolge: erst beobachten, dann das Beobachtete aussprechen, dann verändern.

Deine ersten Ansagen müssen keine Veränderungen sein. „Mir ist aufgefallen, dass die Warenannahme immer über zwei Leute läuft. Warum?“ ist eine Ansage. Sie sagt: Ich schaue hin, ich frage, und ich werde entscheiden, wenn ich verstanden habe. Das ist das Einzige, was ein Team von einem Neuen wissen will.

Der Aufbau: fünf Teile, in dieser Reihenfolge

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jeder Teil entschärft etwas, das ohne ihn im nächsten Satz explodiert.

  1. Der Name und die Ansage. „Herr Berger, ich will etwas ansprechen, das ich in der ersten Woche falsch angefangen habe.“ Direkt, und mit dem Eingeständnis im ersten Satz. Er wartet seit einer Woche darauf, dass du entweder nachgibst oder durchgreifst. Du machst keins von beidem.
  2. Dein Anteil. „Ich habe die Warenannahme umgestellt, ohne mit Ihnen zu reden, obwohl Sie das seit acht Jahren machen.“ Du nimmst zurück, wie du es gemacht hast, nicht, dass du etwas ändern darfst. Das ist der Unterschied zwischen einem Rückzieher und einem Neuanfang.
  3. Ein Vorfall, nicht „immer“. „Seit Montag machen Sie es wieder wie vorher, und ich habe nichts gesagt.“ Du benennst, was er tut, ohne es zu bewerten. Nicht „Sie boykottieren mich“, sondern seit Montag, wie vorher, und dein eigenes Schweigen dazu.
  4. Dein Massstab. „Mir ist wichtig, dass wir eine Version haben, nicht zwei.“ Das ist der Satz, der die Rolle klärt, ohne den Ton zu verschärfen. Du sagst nicht, welche Version. Du sagst, dass es eine geben wird, und dass du dafür zuständig bist.
  5. Eine offene Frage. „Was an der alten Aufteilung hat für Sie besser funktioniert?“ Die Frage holt das, was du in der ersten Woche übersprungen hast: sein Wissen. Vielleicht hat er recht. Dann änderst du es, und das kostet dich nichts. Vielleicht nicht. Dann hast du ihn gehört, und er weiss es.
Die drei Fehler, die fast alle machen

Erst vier Wochen unsichtbar, dann alles auf einmal

Vier Wochen zuschauen, Notizen machen, niemandem auf die Füsse treten. Dann, in Woche fünf, ein Zettel mit zwölf Änderungen. Das Team erlebt einen Chef, der wochenlang geschwiegen hat und jetzt alles besser weiss. Kleine Ansagen ab dem ersten Tag sind besser als eine grosse in Woche fünf.

Alles sofort umbauen

Du kennst den Laden seit drei Tagen, und du weisst schon, was falsch läuft. Vielleicht hast du sogar recht. Aber jeder Ablauf, den du umstellst, hat eine Geschichte, und die Leute, die sie kennen, hast du nicht gefragt. Sie werden dir nicht widersprechen. Sie werden es einfach weiter so machen wie vorher.

Den Vorgänger schlechtreden

„Ich weiss nicht, wie das hier vorher gelaufen ist, aber …“ Das Team weiss es, und einige mochten ihn. Jeder Satz gegen den Vorgänger ist ein Satz gegen die, die mit ihm gearbeitet haben. Über den Vorgänger sagst du nichts. Über das, was du siehst, alles.

Und wenn er sich wehrt?

Fast jede Reaktion fällt in eine von drei Schubladen. Du musst nicht schlagfertig sein, du musst nur wissen, welche gerade offen ist.

Er wehrt ab: „Das haben wir hier schon immer so gemacht.“

Nicht dagegenhalten, nicht nachgeben. Die Frage stellen, die dahintersteckt: „Das glaube ich Ihnen, acht Jahre lang. Ich will wissen, warum. Wenn der Grund gut ist, bleibt es so. Wenn nicht, ändern wir es zusammen. Was ist der Grund?“

Er nickt ab: „Ja, klar, machen wir.“

Zu glatt. Das ist die Zusage, die am Montag wieder vergessen ist. Konkret werden: „Gut. Damit ich es richtig verstehe: Wie läuft die Annahme dann morgen früh ab, Schritt für Schritt? Ich will es einmal von Ihnen hören.“

Er greift an: „Sie sind zwei Wochen hier und wissen schon alles besser?“

Er hat einen Punkt. Zugeben, ohne die Rolle abzugeben: „Nein, das weiss ich nicht, und in der ersten Woche habe ich so getan. Das war falsch. Ich bin trotzdem dafür zuständig, dass wir eine Version haben. Deshalb frage ich Sie jetzt, statt zu entscheiden.“

Häufige Fragen

Soll ich mich am ersten Tag vorstellen, und wie?

Ja, am ersten Tag, in fünf Minuten. Wer du bist, woher du kommst, und was du in den ersten drei Wochen vorhast: zuschauen, mit jedem einzeln reden, fragen. Keine Vision, keine Ankündigung von Änderungen, kein „neuer Wind“. Das Team will an Tag eins nur eine Frage beantwortet haben: Ist der gefährlich? Die Antwort gibst du mit dem, was du nicht sagst.

Wann darf ich etwas verändern?

Wenn du zu einem Ablauf erklären kannst, warum er bisher so lief, darfst du ihn ändern. Wenn du es nicht erklären kannst, hast du noch nicht genug gefragt. Das ist kein Zeitpunkt, sondern eine Bedingung. Bei manchen Dingen ist sie nach drei Tagen erfüllt, bei anderen nach drei Monaten.

Was, wenn einer die Stelle selbst wollte?

Dann ist das der Elefant im Raum, und du solltest ihn beim Namen nennen, unter vier Augen und einmal: „Ich weiss, dass Sie die Stelle auch wollten. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht leicht ist.“ Keine Rechtfertigung, warum du sie bekommen hast, das ist nicht deine Entscheidung gewesen. Danach führst du ihn wie alle anderen. Was er daraus macht, ist seine Sache.

Du oder Sie?

So, wie es im Team schon läuft. Wenn alle sich duzen, duzt du. Wenn die Älteren gesiezt werden, siezt du sie. Die Anrede am ersten Tag zu ändern, ist eine Ansage, die du nicht meinst, und sie wird als Machtdemonstration oder als Anbiederung gelesen, je nach Richtung.

Der Vorgänger ist noch im Haus. Wie gehe ich damit um?

Respektvoll, ohne ihn zur Adresse zu machen. Wenn Mitarbeiter mit Fragen zu ihm gehen statt zu dir, sagst du das ihm, nicht ihnen: „Ich merke, dass die Leute noch zu dir kommen. Ich fände es gut, wenn du sie zu mir schickst.“ Ein Gespräch, freundlich, klar. Wenn er das nicht tut, ist das ein Thema für deinen Chef, nicht fürs Team.

Die anderen neun Situationen

Erste Wochen ist eine von zehn Stellen, an denen Erstführungskräfte regelmässig hängen bleiben.