Du weisst seit Wochen, dass du etwas sagen musst. Jedes Mal kommt etwas dazwischen, und mit jeder Woche wird es schwerer. Beschreib unten kurz deine Situation. Du bekommst den Satz, mit dem du anfängst, und darunter steht, warum er so gebaut ist.
Worum geht es?
Grob reicht. Das Genaue kommt gleich.
Was ist los, und was hast du bisher gemacht?
Ein oder zwei Sätze. Ein konkretes Beispiel hilft: was zuletzt vorgefallen ist, wann, und wie du reagiert hast.
Noch etwas konkreter: was ist passiert, wann war das, und was hast du gemacht?
In welchem Verhältnis steht ihr?
Wie ist die Stimmung zwischen euch gerade?
Dein Einstiegssatz
Und dann sagt er wahrscheinlich eins davon. Such dir aus, was zu ihm passt.
Er sagt
Dein nächster Zug
Bis hierhin war es kostenlos: dein Satz, die Begründung, dein erster Zug. Ein echtes Gespräch geht aber zehn Züge, nicht zwei. Spiel es mit deiner Person zu Ende, so oft du willst. Du darfst danebenhauen, das ist der Punkt.
Einmalig, kein Abo, sieben Tage lang beliebig oft wiederholen. Oder drei Gespräche für 19 €, ohne Ablaufdatum.
Falls du erst lesen willst, bevor du etwas eintippst. Die Begründung für deinen eigenen Satz bekommst du oben, direkt unter dem Satz.
Beim ersten Mal wäre es eine Kleinigkeit gewesen. Ein Satz zwischen Tür und Angel, zehn Sekunden, erledigt. Beim vierten Mal ist es keine Kleinigkeit mehr, sondern ein Muster, und du müsstest jetzt zwei Dinge gleichzeitig ansprechen: sein Verhalten und die Tatsache, dass du dreimal nichts gesagt hast.
Das ist die eigentliche Falle. Dein Ärger wächst schneller als der Anlass. Wenn du dann endlich ansetzt, klingt dein Satz härter, als die Sache es hergibt. Dein Gegenüber wehrt sich, und zwar zu Recht, weil er die letzten drei Wochen ja nicht mitgezählt hat. Am Ende lernst du daraus, dass Ansprechen eskaliert, und wartest beim nächsten Mal wieder.
Der Ausweg ist nicht mehr Mut. Der Ausweg ist ein Einstieg, der die aufgestaute Zeit mitverhandelt, statt sie zu verschweigen.
Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jeder Teil entschärft etwas, das ohne ihn im nächsten Satz explodiert.
Etwas Nettes, dann die Kritik, dann wieder etwas Nettes. Jeder erwachsene Mensch erkennt das Muster, und was hängen bleibt, ist das Lob. Du hast das Gespräch geführt, er hat es nicht gehört, und beim nächsten Mal bist du enttäuscht, dass sich nichts geändert hat.
Der Satz erzeugt eine Nacht Angst und ändert nichts. Wenn du ansprichst, dann sprich an. Eine Ankündigung ohne Inhalt ist keine Rücksicht, sondern ein Aufschub auf Kosten des anderen.
„Man sollte halt pünktlich sein.“ Wer „man“ sagt, meint „du“ und traut sich nicht. Dein Gegenüber hört das sofort und nimmt es entsprechend ernst, nämlich gar nicht.
Fast jede Reaktion fällt in eine von drei Schubladen. Du musst nicht schlagfertig sein, du musst nur wissen, welche gerade offen ist.
Nicht in die Häufigkeitsdebatte einsteigen, die verlierst du. Bleib bei deinem Anteil und werde für die Zukunft konkret: „Für mich ist es nicht einmal, und genau da ist mein Anteil, ich habe die letzten Male nichts gesagt. Ab Freitag brauche ich dich um sechs, und wenn was dazwischenkommt, eine Nachricht.“
Das ist keine Zusage, das ist eine Fluchttür. Lass sie zu und frag nach der Ursache: „Danke. Ich lasse es trotzdem nicht so schnell stehen, weil du das beim letzten Mal auch gesagt hast. Was müsste bei dir passieren, damit es Freitag wirklich klappt?“
Wenn er recht hat, gib es zu. Das kostet dich nichts und nimmt dem Vorwurf alles: „Da hast du recht, und das ändere ich gerade. Es fängt bei dir an, weil du heute vor mir stehst, nicht weil du der Einzige bist. An der Sache ändert das nichts.“
Bei einem einzelnen Vorfall nein, das bläst die Sache unnötig auf. Sprich es direkt an, wenn ihr zwei Minuten ungestört seid. Ankündigen solltest du nur, wenn es um etwas geht, das dein Gegenüber vorbereiten muss, etwa Zahlen oder eine Entscheidung.
Nach der Schicht, aber nicht am Ende einer Doppelschicht und nicht am Freitagabend. Vor der Schicht schickst du jemanden mit einem schlechten Gefühl auf die Fläche, und das merken die Kunden und das Team.
Dann benenne genau das zuerst, sonst hängt es unausgesprochen im Raum. Ein Satz reicht: „Das ist für mich auch komisch, weil wir bis vor Kurzem nebeneinander gestanden haben.“ Danach führst du das Gespräch wie jedes andere. Die Nähe ist kein Grund, es nicht zu tun, sondern ein Grund, es früher zu tun.
Für ein erstes klärendes Gespräch brauchst du kein Protokoll. Notier dir für dich Datum und Ergebnis in zwei Zeilen. Sobald es Richtung Ermahnung oder Abmahnung geht, gelten die Regeln deines Arbeitgebers, und dann holst du dir die Personalabteilung dazu.
Dann war das erste Gespräch nicht umsonst, sondern die Voraussetzung. Beim zweiten Mal wird aus der Erwartung eine Vereinbarung mit Datum, und du sagst offen, dass es beim dritten Mal Konsequenzen gibt. Entscheidend ist, dass du nicht wieder monatelang wartest, weil der Abstand zum ersten Gespräch dessen Wirkung auffrisst.
Konfliktvermeidung ist eine von zehn Stellen, an denen Erstführungskräfte regelmässig hängen bleiben.