Klargesagt. Situation 1 von 10 · Konfliktvermeidung

Einen Mitarbeiter ansprechen, ohne dass es eskaliert

Du weisst seit Wochen, dass du etwas sagen musst. Jedes Mal kommt etwas dazwischen, und mit jeder Woche wird es schwerer. Beschreib unten kurz deine Situation. Du bekommst den Satz, mit dem du anfängst, und darunter steht, warum er so gebaut ist.

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Worum geht es?

Grob reicht. Das Genaue kommt gleich.

Die Idee hinter dem Satz

Falls du erst lesen willst, bevor du etwas eintippst. Die Begründung für deinen eigenen Satz bekommst du oben, direkt unter dem Satz.

Warum es mit jeder Woche schwerer wird

Beim ersten Mal wäre es eine Kleinigkeit gewesen. Ein Satz zwischen Tür und Angel, zehn Sekunden, erledigt. Beim vierten Mal ist es keine Kleinigkeit mehr, sondern ein Muster, und du müsstest jetzt zwei Dinge gleichzeitig ansprechen: sein Verhalten und die Tatsache, dass du dreimal nichts gesagt hast.

Das ist die eigentliche Falle. Dein Ärger wächst schneller als der Anlass. Wenn du dann endlich ansetzt, klingt dein Satz härter, als die Sache es hergibt. Dein Gegenüber wehrt sich, und zwar zu Recht, weil er die letzten drei Wochen ja nicht mitgezählt hat. Am Ende lernst du daraus, dass Ansprechen eskaliert, und wartest beim nächsten Mal wieder.

Der Ausweg ist nicht mehr Mut. Der Ausweg ist ein Einstieg, der die aufgestaute Zeit mitverhandelt, statt sie zu verschweigen.

Der Aufbau: fünf Teile, in dieser Reihenfolge

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jeder Teil entschärft etwas, das ohne ihn im nächsten Satz explodiert.

  1. Der Name und die Ansage. „Michi, ich will was ansprechen.“ Kein Smalltalk davor. Wer erst über das Wochenende redet und dann abbiegt, macht es für beide länger, und dein Gegenüber merkt sowieso, dass etwas kommt.
  2. Dein Anteil. „…das ich zu lange habe laufen lassen.“ Das ist der Teil, der sich falsch anfühlt, und der Teil, der am meisten bringt. Er nimmt dem Gespräch die Abrechnung, ohne dass du die Sache relativierst. Du gibst zu, dass du spät dran bist, nicht dass du unrecht hast.
  3. Ein Vorfall, nicht „immer“. „Freitag warst du 25 Minuten zu spät, ohne Nachricht.“ Über „immer“ könnt ihr euch streiten, und ihr werdet es auch. Über Freitag nicht. Ein Datum, eine Uhrzeit, eine beobachtbare Tatsache.
  4. Dein Massstab. „Mir ist wichtig, dass ich mich auf den Schichtbeginn verlassen kann.“ Nicht die Regel zitieren, sondern sagen, warum es dir wichtig ist. Eine Regel kann man umgehen. Eine Erwartung, die ein Mensch ausspricht, bleibt hängen.
  5. Eine offene Frage. „Was ist da gerade bei dir los?“ Sie zwingt ihn zu antworten und dich zum Zuhören. Ohne sie hältst du keine Ansprache im Gespräch, sondern eine Rede.
Die drei Fehler, die fast alle machen

Das Lob-Sandwich

Etwas Nettes, dann die Kritik, dann wieder etwas Nettes. Jeder erwachsene Mensch erkennt das Muster, und was hängen bleibt, ist das Lob. Du hast das Gespräch geführt, er hat es nicht gehört, und beim nächsten Mal bist du enttäuscht, dass sich nichts geändert hat.

„Wir müssen mal reden“

Der Satz erzeugt eine Nacht Angst und ändert nichts. Wenn du ansprichst, dann sprich an. Eine Ankündigung ohne Inhalt ist keine Rücksicht, sondern ein Aufschub auf Kosten des anderen.

Das „man“

„Man sollte halt pünktlich sein.“ Wer „man“ sagt, meint „du“ und traut sich nicht. Dein Gegenüber hört das sofort und nimmt es entsprechend ernst, nämlich gar nicht.

Und wenn er sich wehrt?

Fast jede Reaktion fällt in eine von drei Schubladen. Du musst nicht schlagfertig sein, du musst nur wissen, welche gerade offen ist.

Er wehrt ab: „War doch einmal.“

Nicht in die Häufigkeitsdebatte einsteigen, die verlierst du. Bleib bei deinem Anteil und werde für die Zukunft konkret: „Für mich ist es nicht einmal, und genau da ist mein Anteil, ich habe die letzten Male nichts gesagt. Ab Freitag brauche ich dich um sechs, und wenn was dazwischenkommt, eine Nachricht.“

Er nickt zu schnell ab: „Ja sorry, kommt nicht wieder.“

Das ist keine Zusage, das ist eine Fluchttür. Lass sie zu und frag nach der Ursache: „Danke. Ich lasse es trotzdem nicht so schnell stehen, weil du das beim letzten Mal auch gesagt hast. Was müsste bei dir passieren, damit es Freitag wirklich klappt?“

Er greift an: „Bei den anderen sagst du auch nichts.“

Wenn er recht hat, gib es zu. Das kostet dich nichts und nimmt dem Vorwurf alles: „Da hast du recht, und das ändere ich gerade. Es fängt bei dir an, weil du heute vor mir stehst, nicht weil du der Einzige bist. An der Sache ändert das nichts.“

Häufige Fragen

Soll ich das Gespräch vorher ankündigen?

Bei einem einzelnen Vorfall nein, das bläst die Sache unnötig auf. Sprich es direkt an, wenn ihr zwei Minuten ungestört seid. Ankündigen solltest du nur, wenn es um etwas geht, das dein Gegenüber vorbereiten muss, etwa Zahlen oder eine Entscheidung.

Vor oder nach der Schicht?

Nach der Schicht, aber nicht am Ende einer Doppelschicht und nicht am Freitagabend. Vor der Schicht schickst du jemanden mit einem schlechten Gefühl auf die Fläche, und das merken die Kunden und das Team.

Was, wenn die Person vorher mein Kollege war?

Dann benenne genau das zuerst, sonst hängt es unausgesprochen im Raum. Ein Satz reicht: „Das ist für mich auch komisch, weil wir bis vor Kurzem nebeneinander gestanden haben.“ Danach führst du das Gespräch wie jedes andere. Die Nähe ist kein Grund, es nicht zu tun, sondern ein Grund, es früher zu tun.

Muss ich so ein Gespräch dokumentieren?

Für ein erstes klärendes Gespräch brauchst du kein Protokoll. Notier dir für dich Datum und Ergebnis in zwei Zeilen. Sobald es Richtung Ermahnung oder Abmahnung geht, gelten die Regeln deines Arbeitgebers, und dann holst du dir die Personalabteilung dazu.

Was, wenn sich danach trotzdem nichts ändert?

Dann war das erste Gespräch nicht umsonst, sondern die Voraussetzung. Beim zweiten Mal wird aus der Erwartung eine Vereinbarung mit Datum, und du sagst offen, dass es beim dritten Mal Konsequenzen gibt. Entscheidend ist, dass du nicht wieder monatelang wartest, weil der Abstand zum ersten Gespräch dessen Wirkung auffrisst.

Die anderen neun Situationen

Konfliktvermeidung ist eine von zehn Stellen, an denen Erstführungskräfte regelmässig hängen bleiben.